Bernarda – Das kleine Kühlein von Terçeira.

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Bernarda – Das kleine Kühlein von Terçeira.

Im großen und weiten blauen Meer, ganz genau in der Mitte des Ozeans, liegt eine wundervolle immergrüne Insel. Die Insel ist ziemlich rund und nicht sonderlich groß. Eher klein. So klein, dass man, wenn man morgens nach dem Aufstehen zu Hause losläuft und dann immer rundherum, noch vor dem Abendessen wieder zuhause ankommt.

Obwohl sie so klein ist, steht mitten auf der grünen und ziemlich runden Insel ein sehr großer und hoher Berg, dessen Spitze fast immer von einer ganz weichen, watteweißen Wolke verdeckt ist.

Weil sie so klein ist, gibt es auf der Insel auch nur drei Straßen. Das reicht. Eine, die unten am Meer im Kreis einmal um die ganze Insel geht. Eine, die oben um den Berg herumführt. Und eine, die, wie ein Strich, quer über die ganze Insel verläuft.

Außer, dass die grüne Insel rund und klein ist, ist die Insel eben auch noch sehr grün. Das liegt an den vielen und ganz unterschiedlichen grünen Pflanzen, die auf ihr wachsen. Es gibt grüne saftige Teeplantagen, grüne wunderschön Königs-Strelitzien, grüne und ganz bunt blühende Hyazinthensträucher und Hortensienwälder, grüne, uralte und riesengroße Lorbeer- und Wacholderbäume. An ganz vielen der grünen Pflanzen wachsen lauter herrlich leckere Früchte. Man braucht sie nur zu pflücken.

Doch wer mit dem Schiff langsam auf die kleine grüne Insel zu schaukelt, erkennt von weitem ganz, ganz viele schwarze Flecken auf dem grünen Teppich verteilt. Wer etwas näher und noch genauer hinguckt stellt fest, dass die schwarzen Flecken eigentlich schwarz-weiße Flecken sind. Und wer mit seinem Schiff schon fast die Küste der kleinen grünen Insel erreicht hat sieht, dass die schwarz-weißen Flecken zu jeder Menge scheckiger Kühe gehören, die ganz genüsslich das frische grüne Gras auf den grünen Weiden kauen.

Die Kühe auf der kleinen grünen Insel sind ganz besondere Kühe. Nicht nur weil sie so hübsch schwarz-weiß gescheckt sind, sondern weil ihre Milch ganz besonders lecker ist. Die Milch ist genauso frisch wie das Gras auf den grünen Wiesen. Eine herrliche Milch ist das, erfrischend und kühl, so dass sich daraus, gemischt mit den leckeren Früchten der Insel, vorzüglich sahnige Eiscreme machen lässt. Erdbeereiscreme, Orangeneiscreme und Bananeneiscreme, Ananaseiscreme oder Süßkartoffeleiscreme.

Auf einer ganz besonders saftigen Weide, mit langen, taubedeckten Grasstengeln, rechts am Bergeshang, gleich hinter der alten Steinmauer, etwas unterhalb von dort wo der dichte Wald anfängt, lebt eine ebenso besondere Kuh. Kuh ist vielleicht übertrieben, sie ist eher noch eine Jung-Kuh, ein Kälbchen – eben noch ein kleines Kühlein. Das fällt sofort auf, weil sie bisher nur zwei Flecken hat. Einen weißen Fleck um das linke Auge und noch einen vorne auf dem Bauch.

Das kleine Kühlein hat auch einen Namen. Es heißt Bernarda und springt am liebsten den ganzen Tag kreuz und quer über die saftig grüne Wiese. An manchen Tagen allerdings, wenn es wirklich sehr heiß auf der kleinen grünen Insel ist, und das ist es nicht selten, geht Bernarda den steilen Berg hinunter und sucht sich ein schönes Plätzchen am Strand. Dort vergnügt sie sich im glasklaren Meerwasser, schwimmt mit den Fischchen um die Wette, springt von den dunklen Felsen mit lauten platschen in die See und spritzt nur so mit dem Wasser herum, dass es die reinste Freude ist.

Wenn ihr nicht nach rumtollen ist, sitzt sie auch gerne einfach nur im Sand und lässt diesen sanft durch ihre Hufe rieseln. Das kitzelt so schön. Dann blickt sie raus auf den weiten und endlosen Ozean. Soweit sie schauen kann, nur offenes, blaues Meer. Bernarda fragt sich dann, ob es wohl noch andere Inseln gibt in diesem Meer? Ob die genauso grün sind wie ihre kleine grüne Insel? Und, ob das Gras dort genau so lecker ist wie hier? Wird es dort überhaupt Gras zum Essen geben, oder essen die Kühe, die dort leben, andere Sachen? Ja und überhaupt, leben auf anderen Inseln auch andere Kühe? Wie diese wohl aussehen mögen? Ob diese auch so schön gefleckt sind wie Bernarda?

Vielleicht sind diese auch nur schwarz oder nur weiß, überlegt sie. Vielleicht, stellt sie sich dann vor, haben diese aber auch eine ganz, ganz andere Farbe. Braun zum Beispiel, oder lila. Lila, wenn sie daran denkt, muss sie immer schmunzeln. Lilafarbene Kühe, denkt Bernarda, dass wäre echt lustig.

Gerne würde sie mal so eine andersfarbige Kuh kennlernen. Sie würde sie so viel Fragen. Nach dem zum Beispiel, was sie am liebsten isst oder was sie am liebsten spielt. Und erzählen würde sie ihr auch soviel. Von dem, wie das alles so ist auf ihrer kleinen grünen Insel. Und vielleicht wüsste die Kuh von einer anderen Insel auch tolle, neue Spiele, die sie ihr beibringen könnten. Ach, toll wäre das, denkt Bernarda und schaut in die Ferne.

Alexander Kunz

Terceira

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