Hamburg – Lissabon. Im Nachtzug nach Portugal.

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Hamburg – Lissabon. Im Nachtzug nach Portugal (Leseprobe aus Buch).

karte

Prolog.

Wann es Anfing? Wann ganz genau – weiß ich nicht mehr. Ob es war, als ich sie zum ersten Mal sah, oder, ob es schon immer in mir war. Mich ausmacht, und je immer schon fester Bestandteil meines Selbst war – ich kann mich nicht mehr erinnern.

Erinnern kann ich mich aber, und das ganz genau, an unser erstes Zusammentreffen. Und ich weiß, es war Liebe auf den ersten Blick. Ein kleiner, kurzer Blick nur, ein winziger Moment, der genügte, um zu fühlen, sie ist es. Sie ist das, wonach du suchst. Sie ist es, was du willst und brauchst. Sie ist das, was dich antreibt. Sie ist die Richtige.

Zehn Jahre ist das jetzt her. Und das Gefühl von damals ist immer noch da. Ist gewachsen. Wurde von einer kurzen Begegnung zu einer engen Beziehung. Von Verliebtheit zu Vertrauen, und von Begehren zu Sehnsucht. Denn, bisher blieb sie trotz der Nähe unerreichbar, immer in der Ferne.

Ich bin in meinem Leben an einem Punkt angekommen, von dem aus ich nicht mehr weiter komme. Der bisherige Weg hat in eine Sackgasse geführt, in der ich nun feststecke.

Das was jetzt noch bleibt, ist die Reise. Der Versuch einen Ausweg zu finden. Herauszukommen aus dieser vertrackten Situation. Es ist der Versuch einer Flucht. Oder nein, eines Aufbruchs. Eines Aufbruchs nach Westen.

Logbuch. 

25.03.15 – 22:32:

Abfahrt in Hamburg-Altona. DB, IC2021 Hamburg – Frankfurt.

Die Reise beginnt. Pünktlich. Endlich.

In einem Waggon der Deutschen Bundesbahn von 1990 verlässt der Zug Hamburg. Die Farben der Wände und Plastikschalen der Sitze sind in Pastelltönen gehalten: Kackgelb, Olivgrün und Lila. Die Designer der Deutschen Bahn haben wohl erst Anfang der 1990er Miami Vice und Startrek – The Next Generation für sich entdeckt.

Die 1980er Jahre lassen herzlich Grüßen.

Zudem dachte die DB bei der Disposition des Zuges wohl, dass um diese Zeit nur das aller verlumpteste Proletariat reist, und dem es egal sein wird, wie die Waggons ausgestattet sind – da nehmen wir dann eben die Alten.

 

25.03.15 – 22:37:

Erster Stopp: Hamburg Dammtor.

Auf der Reise wird mich nur leichtes Reisegepäck begleiten. Keine unnütze oder überflüssige Last.

Eine braune Lederumhängetasche mit Notizblock, Fotoapparat und Reisedokumenten, eine Reisetasche aus Ziegenleder mit der Reisevêtement und Necessaire für vier Tage – so lange wird die Reise dauern – mehr nicht. Das sollte auch reichen!

Es bleibt jetzt nur die Frage: Komme ich an meinem Ziel an, oder wird es Komplikationen geben? Verspätungen? Ausfälle? Muss ich ab Paris fliegen? Muss ich über Madrid fahren?

cristo

Alexander Kunz

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