Marinhas de Sal de Rio Maior – Das Salz der Erde.

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Marinhas de Sal de Rio Maior – Das Salz der Erde.

„Reich bist Du! Ein reicher Mann, ist es nicht so?“ Leise rieselt es durch die vollen Hände, wie die Körner in einer Sanduhr, auf einen im Sonnenlicht glänzenden Berg feiner Kristalle – einem Schatz.

Was mag das für ein Reichtum gewesen? Was für ein Überfluss. Der Schatz lag direkt vor den Füssen – korrekter Weise muss man sagen, schwamm direkt vor den Füssen im Wasser. Man musste ihn nur abschöpfen, trocknen und verpacken. Die ganze Welt wollte ihn; brauchte ihn, um zu leben.

Dieser Schatz ist aber kein gelb glänzendes, hartes Metall. Der Schatz ist kein Goldschatz – nicht im üblichen Sinne. Die Rede ist auch nicht von Edelsteinen oder Diamanten. Nein, der Schatz ist weiß und von poröser, flüchtiger Konsistenz. Der Schatz ist weißes Gold – das Salz.
Es gab Zeiten, da wurde es mit Gold aufgewogen, war dem Gold ebenbürtig und galt sogar als Zahlungsmittel. Wörter wie Salär oder Salario sind heute im Gebrauch.

„Das ist alles lange her. Schau mich an!“, erzählt Abílio Axel zuckend, „Heute wird man davon nicht mehr reich!“. Er streckt die Beine aus und lehnt sich mit den Rücken an seinen kleinen Holzschuppen. Die Vormittagssonne ist schon so stark, dass er die typische Schirmmütze, die alle älteren Herren hier tragen, tief ins gegerbte Gesicht zieht. „Die Sonne ist das Wichtigste. Die Sonne und der Wind. Und von beiden haben wir hier ja zum Glück genug!“, leichter Spott liegt in seiner Stimme. Aber er hat Recht: Hitze und Trockenheit sind für die Salzproduktion unablässig und herrschen hier im Ribatejo im Überfluss vor.

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Jetzt, zur Erntezeit Ende Juli, ragen unzählige schneerne Pyramiden am Ufer empor. Aber, was die Marinhas de Sal de Rio Maior so besonders macht ist, dass sie im Landesinneren liegen, nicht wie andere Salinen in Frankreich oder Spanien, die sich direkt am Meer befinden, ohne offensichtlichen Zugang zu Wasser.

Eine Stunde nördlich von Lissabon, zwischen Atlantik und Tejo, zwischen Óbidos und Santarém, in Mitten der Serra de Candeeiros, liegt das verschlafene Städtchen Rio Maior. Der Name täuscht, einen großen Fluss gibt es hier nicht, aber einen kleinen, einen, der unterirdisch durch die Serra de Candeeiros fließt. Die Serra de Candeeiros, Mittelgebirge, zwischen den Gestaden des Atlantiks und dem Ufer des Tejo, mit der höchsten Erhebung von sechshundertzehn Metern und durchzogen von unzähligen natürlichen Grotten und Höhlen. Ein guter Boden: Reich an Mineralien wie Kali und Calcit, die die umliegenden Wein- und Olivenhaine nähren, früher aber auch in einer Mine, betrieben zunächst durch Belgier und zeitweise auch durch deutsche Ingenieure – was Abílio nicht müde wird zu erwähnen -, abgebaut wurde. Und es gibt das Salz, das der Fluss irgendwo unter den Bergen aufnimmt und mitträgt bis hin zu den Marinhas de Sal de Rio Maior.

Hier gewährt ein tiefes Loch, bereits seit Jahrhunderten ummauert von einem steinernen Brunnen, Zugang zum Salz. „Die Legende sagt,“, belehrt Abílio, „dass ein Mädchen dieses Loch gefunden habe als es seine Schafe tränken wollte. Als es davon probierte und trank, spuckte es das salzige Wasser sofort wieder aus. Vor Schreck und Angst vergiftet zu sein, rannte es nach Hause und erzählte seinem Vater davon. Das muss nun weit über tausend Jahre her sein – ein Rätsel, dass sie kein Wunder daraus gemacht haben, wie trüben in Fátima!“.
Und tatsächlich, die ersten schriftlichen Erwähnungen der Marinhas de Rio Maior gehen auf das Jahr 1177 zurück: Ein Kaufvertrag, der das Loch an den Templerorden überschreibt. Eine spannende Epoche in der Geschichte Portugals, in der sich das Land von der mauretanischen Besetzung befreite und als Nation konstituierte.

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Trotz dieser überwältigenden Historie, die Zeit scheint in den Marinhas de Sal stehen geblieben zu sein. Noch immer sehen sie wie ein mittelalterlicher Betrieb aus. Es wird kein industrieller Abbau betrieben. Um das Loch wurden zwar nach und nach, ohne erkennbare Systematik, verschieden große Becken aus Naturstein geordnet, die eher an Reisterrassen erinnern als an Salzproduktion, die von den einheimischen Salzbauern betrieben werden, aber mehr als der Verkauf vor Ort an Touristen existiert nicht.
Verbunden ist dieses Labyrinth aus Becken durch schmale Kanäle, Bächlein, die ihren Ursprung alle in dem Brunnen, im Zentrum des Gebildes haben. Aus diesem Brunnen wird seit jenen sagenumwobenen Tagen das Wasser des salzhaltigen Flusses gepumpt. Immerhin: heutzutage mittels einer modernen dieselbetriebenen Maschine. Die altertümliche Holzkonstruktion zum Wasserschöpfen steht aber immer noch anbei.
Um die Becken herum stehen unzählige kleine, rustikale Holzverschläge und Schuppen, in welchen das Salz gelagert und verkauft wird.

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Zur Salzherstellung selbst werden die Becken schließlich mit Salzwasser geflutet und dann ist es genau so, wie Abilio sagt: es braucht nur Sonne und Wind. Ein riesiger – natürlicher – Heizlüfter, der das Wasser verdunsten lässt.
Wer schon einmal in einer der wenigen Salinen in Deutschland, zum Beispiel in Lüneburg, war, weiß, wie mühevoll der Prozess der Salzgewinnung ist. Das Salz muss Untertage aus Gestein gebrochen werden, gefördert werden sowie anschließend Aufwendig mit Wasser und Hitze raffiniert werden – enorm hoher Energieaufwand, enorm hohe Kosten.

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Eines hatte Abílio vergessen, zu erwähnen: „Wenn Sonne und Wind ihre Arbeit tun, gehe ich ins Café oder rüber zu Jorge. Ich habe dann jede Menge Zeit“. Mit Jorge meint er den Wirt des überaus empfehlenswerten Restaurant „Solar do Sal“, das nur leckere Hähnchengerichte kocht. Mit Zeit meint er, dass während Sonne und Wind ihre Arbeit tun, um das Salz zu raffinieren, die Salzbauern Müßiggang pflegen.

Schließlich bleibt das Salz als weiße Kruste in den Becken zurück, dass von dem verbleibenden dünnen Wasserfilm abgeschöpft wird und zu den weißen Pyramiden rund um die Marinhas de Sal geschichtet wird.
Am Ende bleibt nur gegenüber Abílio neidvoll anzuerkennen: „Doch, Du bist ein reicher Mann, denn Du hast hier alle Zeit der Welt!“.

Alexander Kunz

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Terra da Eira.

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Bem-vindos à Terra da Eira.

Endlich. Er ist war geworden. Unser Traum. Unser Traum vom Zuhause in Portugal – er ist real. Und er heißt „Terra da Eira“.

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Nur achtzig Kilometer nord-westlich von Lissabon, romantisch zwischen lauter Birnen-Hainen im Vale d´ Azenha gelegen, sind wir immer nahe am Surf-Hotspot Baleal (Peniche) oder innerhalb des kulturellen Treibens im Ringe der Burgmauern des mittelalterlichen Òbidos.

Auf dreitausend Quadratmetern haben wir jede Menge Platz – Platz, für jede Menge Kinder und natürlich alle Freunde -, ganz viele Apfelbäume, Orangen, Zitronen und sogar einen Feigenbaum.

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Für die Bewässerung haben wir ein Poço, und rund um das Grundstück fließt ein kleiner Bach – im Winter zumindest.

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Das verrückteste ist, wir haben eine Adega, in der früher Wein gekeltert wurde – mal sehen, ob sich dieses Erbe irgendwann wiederbeleben lässt. Dazu das Haupthaus und einen Anbau für unsere Gäste – der aber noch – durch diese – ausgebaut werden muss.

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Alles in Allem: Unser Traum, den wir gerne mit Euch allen teilen. Wir freuen uns.

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Alexander Kunz